HANDELSBLATT, Dienstag, 4.9.1990 WERBUNG / Erster „Info-Mat“ in München aufgestellt Die Litfaßsäule reagiert jetzt auf Knopfdruck MÜNCHEN. Das hätte Ernst Litfaß sich sicher nicht träumen lassen, dass die von ihm erfundene Informationssäule im 135. Jahr ihres Bestehens auf Knopfdruck Daten und Fakten ausspucken würde. Der erste „Info-Mat“ steht auf der Münchner Flaniermeile, der Leopoldstraße. Die Epos Werbeträger GmbH, München, will damit der Werbung und Information einen neuen, zusätzlichen Weg öffnen. Das Standgerät reagiert auf Knopfdruck (mit einer auf Zahlen ausgelegten Menüsteuerung) und zeigt zunächst Stichworte wie Auto, Immobilien, Reise, Shopping, Freizeit, Kultur, Nachrichten. Der Passant drückt einen Knopf und hat sein Interessengebiet. Zum Suchen und Aufbauen des Bildes braucht das Gerät etwa 0,7 Sekunden und „spätestens nach dem vierten Knopfdruck ist man am Ziel“, versichert Epos-Geschäftsführer Richard Bauer. Mehr noch: „Wer will, kann sich Text und Bild ausdrucken lassen.“ Geld bringen die Angebote. Für 1000 Abrufe zahlt der Werbungtreibende 300 DM, gleichzeitig wie lange seine Farbbild-Anzeige im System bleibt. Soll der Text aktualisiert werden, kostet das 10 DM, wird das Bild erneuert 60 DM. Bauer zum System: „Der Kunde zahlt nur für Interessenten, die seine Anzeige angewählt haben, und nicht für Passanten, die über seine Werbung hinwegsehen.“ Zudem liefert Epos für Marketing-Analysen eine statistische Auswertung: Wie viele Nutzer haben was und wann angeklickt, mit Uhrzeit und Wochentag, als Tabelle und Farbgrafik. Der Info-Mat soll auch „zielgruppen-orientiert“ als Ergänzung des Verkaufsgesprächs im Warenhaus oder Supermarkt (was steht wo und heute im Angebot ist) und als Information am Bahnhof oder Flughafen oder in der Hotelhalle als Stadt- und Einkaufsführer platziert werden. Die größten Chancen werden der elektronischen „Litfaßsäule“ an Standorten gegeben, an denen Passanten warten müssen oder „ratlos“ sind. Je nach Mengenabnahme kostet der Info-Mat 15.000 bis 20.000 DM. Erfahrungen mit ähnlichen Systemen in den USA zeigen, so Bauer, dass solche Informationssysteme sich schnell amortisieren können. Bei 500.000 Abrufen im Jahr, die Bauer an einem guten Platz für realistisch hält, kann der Info-Mat 15.000 DM im Jahr einspielen. Ein Ausfall des Geräts sei bislang nicht bekannt, dafür sei das Gerät soweit wie technisch möglich gesichert.